Der „Faktor Mensch“ in der Logistik von heute und morgen

 

Interview

Borgholzhausen, 19. Oktober 2020 – Digitalisierung, Automatisierung, Künstliche Intelligenz: Die digitale Transformation verändert die Logistik. Das ist an sich nichts Neues. Schon seit Jahren ist die Logistik auf der Überholspur, wenn es um Effizienzsteigerung durch Technologien geht. Genauso lange wie die Digitalisierung die Logistik schon beschäftigt, herrscht aber auch in Gesellschaft und bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die latente Angst, früher oder später von Technik ersetzt und wegrationalisiert zu werden. Ist diese Angst berechtigt? Unser HR-Leiter Marcus Meyer gibt Einblicke in die Rolle der Menschen in der Logistik – heute und morgen.

 

Noch ist die Logistik personalintensiv. Wird das so bleiben? Kurz gesagt: Wie wichtig ist der Mensch in der Logistik?

„Eines wird sich nicht ändern: Der Mensch, also unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sind der Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit. Ohne sie sind Logistikdienstleistungen nicht möglich. Sie sind unser Kapital. Gleichzeitig stimmt aber, dass Automatisierung immer mehr auch in Logistikdienstleistungen Einzug hält. Manche Tätigkeiten sind jedoch manuell effizienter oder technisch schlicht nicht möglich. Ein Beispiel ist der Displaybau oder spezielle Verpackungstätigkeiten. Hier scheitert die Technik bislang beispielsweise an unterschiedlichen Verpackungsgrößen. Aber selbst, wenn der technische Fortschritt hier in der Zukunft eine praktikable Lösung zulässt, wird es immer Dinge geben, die Menschenhände besser erledigen können.“

Der Mensch hat also einen festen Platz in der Logistik von heute und von morgen. Ganz spurlos wird der digitale Wandel aber auch nicht an ihm vorrübergehen. Was ändert sich für ihn und sein Berufsbild?

„IT zieht immer mehr in die Logistik ein. Ein Lager ohne IT ist nicht mehr denkbar. Das wirkt sich selbstverständlich auch auf die Anforderungen an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Das ist aber weniger ein kolossaler Wandel als vielmehr eine Anpassung an neue Trends und Kundenbedürfnisse. Ein Beispiel: Ein Kommissionierer wird auch in Zukunft noch kommissionieren – nur anders. Bedeutet: unter Einsatz neuer technischer Hilfsmittel. Was früher mit einer analogen Liste vollzogen wurde, wird heute unterstützt von Scannern oder Pick-by-Voice-Techniken.“

Wie gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit um?

„Ein solcher Veränderungsprozess fordert dabei von jedem einzelnen die Motivation, sich selbst mit dem Unternehmen und der Logistik weiterzuentwickeln. Das funktioniert in den allermeisten Fällen sehr gut. Denn häufig bedeutet eine Digitalisierung der Prozesse auch eine Erleichterung für ihren Arbeitsalltag.“

Sie sprechen von Weiterentwicklung. Hat das auch Auswirkungen auf die geforderten Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

„Selbstverständlich ist es ein Vorteil, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits Kompetenzen im Umgang mit neuen Technologien haben. Viel wichtiger ist es aber, dass Sie eine grundsätzliche Bereitschaft mitbringen, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Und bei allen neuen Anforderungen darf man nicht vergessen, dass auch eher traditionellere Kompetenzen – beispielsweise im sozialen Bereich – weiter wichtig sein werden. Denn wie wir schon gesehen haben: Die Logistik bleibt personalintensiv. Und wo viele Menschen sind, gibt es auch viel Interaktion. Die Bedeutung sozialer Kompetenzen nimmt also nicht ab. Diese müssen Mitarbeiter mitbringen, denn soziale Kompetenzen kann man schlecht schulen.“

Apropos Schulung: Wie nimmt B+S seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit in die Logistik der Zukunft?

„Uns ist es wichtig, unser bestehendes Personal weiterzubilden, anstatt sie durch neues zu ersetzen. Dafür werden all unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer geschult, wenn es neue Techniken oder Prozesse gibt. Hier steht keiner allein da. Denn wir wollen auch in Zukunft hochmotivierte Mitarbeiter, die bestens auf neue Anforderungen vorbereitet sind und die sich in ihrer moderneren Arbeitsumgebung wohlfühlen.“